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Ilhem: Die eigentlich unfassbare Geschichte eines algerischen Mädchens

Ein karges Frühstück mit den Eltern und ihren vier Geschwistern, der Weg zur Schule - der 21. Mai 2003 beginnt für die elfjährige Ilhem wie viele andere Tage auch. Doch er sollte anders enden ...

Ilhem 13 J. Waisenkind aus Algerien

Ilhems Geschichte von 2003-2006
Um 19.45 Uhr erschüttert ein verheerendes Erdbeben mit einer Stärke von 6,7 auf der Richterskala die algerische Hauptstadt Algier. Fernsehbilder zeigen Menschen, die mit bloßen Händen nach Verschütteten graben. „Aus den Trümmern dringen Schreie," berichten Helfer. In den eingestürzten Häusern werden noch ganze Familien vermutet. Ilhems Familie ist darunter.

„Alle raus!", sind die letzten Worte, die das Mädchen von ihrem Vater hört. Nach zwei Tagen findet man Ilhem. 48 Stunden lang lag sie schwer verletzt unter den Trümmern begraben! Ilhem lebt, noch. Vater und Mutter sind tot, und drei ihrer vier Geschwister.

In einer Notoperation müssen ihr beide Oberarme und der rechte Vorderfuß amputiert werden! Ihre Überlebens-
chancen sind gering. Und wenn sie es schafft - wie sollte ein plötzlich zur Vollwaise gewordenes Kind mit schwersten Behinderungen ein menschenwürdiges Leben in einem Land wie Algerien führen können?

Ilhem, während der Operation in Salzburg

Ein Arzt der österreichischen Katastrophenhilfe erfährt vom schrecklichen Schicksal des schwer verletzten und traumatisierten Waisenkindes.

Er bringt sie nach Salzburg ins Krankenhaus der Barmherzigen Brüder. Noch am gleichen Tag, als Ilhem dort eintrifft, wird sie operiert. Ihr Leben hängt, nach wie vor, an einem seidenen Faden. Das willenstarke Mädchen kämpft um ihr Leben.

Wolfgang Fierek besucht Ihem nach seiner Genesung

Nur zwei Zimmer nebenan, im selben Krankenhaus, kämpfen die Ärzte um ein weiteres Leben:

Der deutsche TV-Star Wolfgang Fierek („Tierarzt Dr. Engel") wurde bei einem Motorradunfall schwer verletzt. Erst zehn Wochen nach seinem Unfall steht fest: Sein Bein muss nicht abgenommen werden.

„Ich hörte Ilhem nachts vor Schmerzen wimmern", erzählte er. „Jeder Verbandswechsel bei ihr musste unter Vollnarkose gemacht werden, weil sonst die Schmerzen für sie zu groß gewesen wären! Es ist unfassbar, zwei Tage lang war sie verschüttet unter Trümmern, ihre Eltern werden nie wieder kommen. Sie hat keine Arme mehr und wird nie wieder richtig laufen können.
Gegen das, was dieses algerische Kind erlebt hat und noch immer durchmachen muss, sind meine Verletzungen nichts!"

Wolfgang Fierek wendet sich an uns, die Deutsche Lebensbrücke: „Helfen Sie mir bitte, diesem Kind ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen!"

Ilhem's Pflegefamilie

Ilhem hat inzwischen Armprothesen, mit denen sie inzwischen sogar sehr gut umgehen kann. Sie bewegt sie mit den Muskeln in ihren verbliebenen Oberarmstümpfen. Damit kann sie nun auch selbst wieder greifen, alleine essen, ohne Hilfe! Oder irgendwann auch einen Computer bedienen. Für ihre berufliche Zukunft ein Meilenstein, denn auch daran müssen wir jetzt schon denken!

Mittlerweile konnte für sie in Salzburg auch eine algerische Pflegefamilie gefunden werden. Mit deren Kindern Yasmine, Ines und Anja hat Ilhem nun sogar drei liebevolle „neue" Schwestern.
Mit den bisher eingegangenen Spenden konnten wir den Bad- und Toilettenbereich renovieren, so dass Ilhem ohne fremde Hilfe auf die Toilette gehen oder dank sogenannter Berührungs-Armaturen alleine duschen kann.

Ilhem ist auch ohne Prothesen sehr gut am PC

Da Ilhem noch wächst, müssen ihre Prothesen immer wieder angepasst werden, bis sie erwachsen ist. Das kostet viel Geld.
Sie wird immer wieder auf einen Rollstuhl angewiesen sein, obwohl sie gelernt hat, einige Schritte zu gehen.

Dringend braucht das schwer traumatisierte Mädchen intensive psychologische Betreuung: „Ich will nie wieder dahin ...", sagte sie einmal. Sie meint ihre algerische Heimat.
Mit ihrer neuen Pflegefamilie hat sie diesen großen Schritt dennoch erstmals nach dem furchtbaren Unglück gewagt: Im August 2005 flog sie zusammen mit ihrer Pflegmutter nach Algerien und besuchte dort das Grab ihrer Eltern und Geschwister. 
Sie hat nicht viel darüber gesprochen, aber seitdem ist Ilhem ruhiger und weniger agressiv, und sie hat weniger Albträume. Aber es ist noch ein weiter Weg bis all diese Erlebnisse überwunden sind.

Ilhem 2009
Ihre Spenden haben dazu beigetragen, dass Ilhem heute fast wie ein normaler Teenager leben kann, mit all deren Freuden und Problemen. Dennoch braucht sie immer wieder Hilfe, vor allem für ihre weitere Ausbildung, für Kurse in Deutsch, aber auch für notwendige Reha-Maßnahmen, die nicht immer von der Krankenkasse finanziert werden.
Wir freuen uns über jede Spende, die dazu beiträgt, dass Ilhem ein fast selbstbestimmtes Leben führen kann.

Ilhems Lebenswille war stärker als der Tod – sie braucht weiterhin unsere Hilfe!