
Die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit Unterstützungsbedarf aufgrund einer seelischen Behinderung hat 2024 einen neuen Höchststand erreicht. Das Statistische Bundesamtes hat im September 2026 Zahlen veröffentlicht, die zeigen, dass im Jahr 2024 über 174.000 Mal eine sogenannte Eingliederungshilfe erhalten haben.
Damit hat sich die Zahl der Eingliederungshilfen seit 2014 mit damals rund 80 Tausend mehr als verdoppelt. Diese Entwicklung spiegelt sich in den Finanzen der öffentlichen Träger wider. Hier haben sich die jährlichen Nettoausgaben für diese Maßnahmen von 1,1 Milliarden in 2014 auf 3,5 Milliarden Euro in 2024 erhöht. Die Maßnahmen dauern durchschnittlich knapp zwei Jahre. In rund 70 Prozent der Fälle sind Jungen betroffen, fast die Hälfte sind Grundschüler zwischen 6 und 11 Jahren.
Der Anstieg hat verschiedene Ursachen. Hauptgrund sind aber mit 69 Prozent psychische Belastungen und Entwicklungsauffälligkeiten. 53 Prozent leiden unter schulischen Problemen, wobei der stetig wachsende Leistungs- und Anpassungsdruck viele Kinder überfordern. In 36 Prozent der Fälle zeigten die Kinder auffälliges Sozialverhalten, z.B. soziale Isolation. Der gestiegene Bedarf an individuellen Schulbegleitungen und Integrationsassistenzen ist darauf zurückzuführen, dass die Schulen keine oder nicht genug eigene Ressourcen haben – bei wachsendem Inklusionsbedarf.
Bei der Betrachtung der Zahlen muss allerdings auch berücksichtigt werden, dass im letzten Jahrzehnt sowohl die gesellschaftliche Sensibilisierung als auch die psychologische und medizinische Diagnostik intensiver und besser geworden sind. Diagnosen und Therapie setzen deutlich früher an, wodurch die Behandlungen gleichzeitig auch effektiver und nachhaltiger geworden sind.
Die neuen Daten heizen auch die politische Debatte an: Einerseits wird eine umfassende Reform der Kinder- und Jugendhilfe diskutiert, andererseits kritisieren Sozialverbände und Kinderhilfe-Organisationen sgeplante Kürzungen in den Kommunal- und Bundeshaushalten.
Quellen: FAM-RZ, Deutsches Ärzteblatt, Statistisches Bundesamt, LVR-Beratungskompass
