Im Jahr 2025 hat die Zahl der Kindeswohlgefährdungen in Deutschland mit rund 79.800 offiziell festgestellten akuten oder latenten Fällen einen neuen historischen Höchststand erreicht. Das entspricht einem Anstieg von 10 % im Vergleich zum Vorjahr und eine Verdopplung seit Beginn der statistischen Erfassung im Jahr 2012.
Die den Jugendämtern gemeldeten Verdachtsfälle sind um ein Vielfaches höher, nämlich rund 268.300. Mehr als die Hälfte der betroffenen Kinder war 8 Jahre alt, 26% waren jünger als 4. Interessant: ob die Kinder in einem Zwei- oder Ein-Eltern-Haushalt leben, spielt keine wesentliche Rolle: 40% der Kinder lebten bei beiden Eltern, 37% bei einem Elternteil. Oft (bei 25% der Kinder) lagen mehrere Gefährdungsformen gleichzeitig vor!
Gefährdungsformen und ihre prozentuale Häufigkeit:

Vernachlässigung: mit 58 % der stärkste absolute Zuwachs
Psychische Misshandlung: 38 %
Körperliche Misshandlung: 29 %
Sexuelle Gewalt: 5 % .
Wenig überraschend ist, dass der Hinweis auf Kindeswohlgefährdung in den seltensten Fällen aus den Familien kommt, sondern von Polizei und Justiz, aus der Bevölkerung/Nachbarschaft oder Schulen und Kitas, selten auch von der Kinder- und Jugendhilfe.
Was bedeutet der Anstieg und worauf ist er zurückzuführen?
Die Fachwelt sagt – und die Statistiken bestätigen es -, dass mehrere Faktoren für den starken Anstieg verantwortlich sind: Die Gesellschaft ist sensibilisiert und zeigt vermutete Kindeswohlgefährdung öfter an. Auch die bessere Vernetzung von Kitas, Schulen, Ärzt*innen und Jugendämtern soll dazu beitragen, dass Kindeswohlgefährdungen schneller bemerkt oder angezeigt werden. Aber das ist nur eine Seite. Leider ist es laut Kinderschutzbund und anderen Experten so, dass der Druck auf Familien in den letzten Jahren zugenommen hat. Armut, Arbeitslosigkeit und psychische Belastungen führen messbar zu mehr häuslicher Gewalt und Vernachlässigung. Besonders bedenklich in diesem Zusammenhang: In 74 % der Fälle ging die Gefährdung ausschließlich oder hauptsächlich von den biologischen Eltern aus. Das verdeutlicht die familiäre Überlastung.
Wo und wie gibt es Hilfe?
Natürlich müssen Soforthilfen greifen, um den Kindern und dann auch den Familien zu helfen. Bevor die Situation eskaliert, können bereits Hilfen in Anspruch genommen werden, bzw. werden diese angeboten. Z.B. Familienhebammen – sie unterstützen junge Familien kostenlos im ersten Lebensjahr des Kindes, Elternkurse und Familienzentren – auch hier können Familien Hilfe bekommen, bevor es zu einer Krise kommt. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass Familien selten von sich aus Hilfe suchen. Die Mitarbeitenden in Kitas werden inzwischen geschult, Gefahrensituationen zu erkennen und niederschwellige Hilfen anzubieten.
Wurde eine Gefährdung festgestellt, greift – soweit irgend möglich in Kooperation mit den Eltern – ein Hilfeplan mit Sozialpädagogischer Familienhilfe, Erziehungsbeiständen und Tagesgruppen für die Kinder. Eine Inobhutnahme ist tatsächlich die Ultima Ratio – und hier sind die Zahlen zum Glück rückläufig: innerhalb der letzten zwei Jahre um knapp 25%.
Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutscher Präventionstag, Kinderschutzbund, Caritas, Diakonie
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